Portale für Whistleblower

Sie heißen Tippgeber, Whistleblower und manchmal auch wenig freundlich: Nestbeschmutzer. Menschen, die den Medien Informationen geben, wenn Unternehmen gegegen geltende Gesetze verstoßen, Politiker sich korrumpieren lassen oder ihr Doktorarbeit fälschen. Nicht jeder Tipp ist Gold wert, doch ohne Tipps von Insidern wären viele Enthüllungsgeschichten niemals erschienen. Denn oft scheitern die Medien schon am Werkstor, während Eingeweihte ihnen Zugriff auf Vertrauliches geben. Mittlerweile hat deshalb fast jedes große Online-Medium auch ein eigenes Portal oder einen Recherche-Blog, über den Leser und Zuschauer anoyme Hinweise zu Skandalen oder „heißen Themen“ geben können.

Nicht erst seit der NSA-Krise ist das Thema Anonymität im Internet wichtig. Daher sichern die Medien ihren Hinweisgebern Vertraulichkeit zu und schaffen technische Möglichkeiten, um verdeckt Kontakt aufzunehmen.

Stern Investigativ. "Gehen Sie in ein Internet-Café".

Stern Investigativ. „Gehen Sie in ein Internet-Café“.

Beim Stern heißt der entsprechende Briefkasten „stern Investigativ“. Hier gibt’s auch gut gemeinte Ratschläge für unerfahrene Tippgeber, etwa den, aus einem viel frequentierten Internet-Café heraus zu schreiben. Wertvoller ist da schon der Hinweis auf der selben Seite das weltweite Anonymisierungs-Netzwerk Tor zu nutzen.

 

Taz Rechercheblog. Seit Mai 2013 kein Update mehr.

Taz Rechercheblog. Seit Mai 2013 kein Update mehr.

Die Tageszeitung „taz“ kündigte bereits 2011 an, ein Tippgeber-Portal zu starten. Unter https://leaks.taz.de sollten anonym Tipps zu Skandalen gegeben werden können. Nichtregierungsorganisationen wie Foodwatch boten sich bereits als Verwertungspartner für gute Tipps an. Mitiniator war Openleaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg. Aktuell ist die Website allerdings nicht zu erreichen. So bleibt potenziellen Whistleblowern bis dahin nur der Besuch des seit Mai 2013 nicht mehr aktualisierten Taz-Recherche-Blogs.

WAZ/Funke: Blog und Tippgeber-Portal in einem.

Funke-Gruppe: Blog und Tippgeber-Portal in einem.

Die Funke-Gruppe (ehemals „WAZ“-Konzern) betreibt ebenfalls ein Recherche-Blog. Unter http://www.derwesten-recherche.org können Tippgeber anonym Dateien hochladen oder das Recherche-Team von Funke-Recherchef und Wächterpreis-Träger David Schraven kontaktieren. Ein Hinweis auf zusätzliche Verschlüsselungsmöglichkeiten fehlt leider. Dafür sind die Blog-Inhalte frisch und in der Blogroll werden weitere Tippgeber-Angebote verlinkt. Vorbildlich!

Wer den Medien generell misstraut, wendet sich an andere Angebote für Whistleblower. Das seit den Enthüllungen der US-Soldatin Chealsey Manning (ehemals Bradley Manning) weltweit bekannteste ist WikiLeaks. Dessen Schwerpunkte liegen in der Enthüllung von Regierungsgeheimnissen. Aber auch Vertrauliche Informationen über Banken, Umweltskandale in der Elfenbeinküste oder aus der Parteipolitik hat die Plattform bereits öffentlich gemacht. Seit September 2010 ist der elektronische Tippgeber-Briefkasten von WikiLeaks allerdings geschlossen.

WikiLeaks: Weltweit bekanntestes Tippgeber-Portal.

WikiLeaks: Weltweit bekanntestes Tippgeber-Portal.

 

An Tippgeber aus dem deutschsprachigen Raum wendet sich die Website des Whistleblower-Netzwerkes. Die 2006 gegründete Initiative verspricht nicht nur Hilfe, sondern gibt Besuchern auch Literatur-Tipps, etwa bei einer psychischen Belastung, die mit der Whistleblower-Situation einhergehen kann.

Der Verein Whistleblower-Netzwerk e.V. kümmert sich seit 2006 um Whistleblower.

Der Verein kümmert sich seit 2006 um Whistleblower.

(wird fortgesetzt)

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