Anonymität

Ich möchte gerne anonym bleiben. Kann ich darauf vertrauen, dass Journalisten meine Identität schützen?

Für Journalisten ist der Schutz ihrer Quellen oberstes Gebot. Wer seine Informanten gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft oder dem Arbeitgeber des Tippgebers nennt, ist als Journalist bald „verbrannt“ und bekommt zukünftig keine Hinweise mehr.

Im Pressekodex heißt es deshalb unter Ziffer 5: „Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis. Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.“ (http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html)

Auch der Gesetzgeber hat erkannt, dass zur Pressefreiheit auch der Schutz von Quellen gehört. Die Strafprozessordnung gesteht in §53 Journalisten das Recht zu, Auskunft über die Identität ihrer Tippgeber zu verweigern. In bestem Juristendeutsch heißt es dort: „Zur Verweigerung des Zeugnisses sind ferner berechtigt … Personen, die bei der Vorbereitung, Herstellung oder Verbreitung von Druckwerken, Rundfunksendungen, Filmberichten oder der Unterrichtung oder Meinungsbildung dienenden Informations- und Kommunikationsdiensten berufsmäßig mitwirken oder mitgewirkt haben.“

Wenn Sie Journalisten nicht vertrauen, sollten Sie zusätzlich Anonymisierungsdienste verwenden. Dazu weiter unten mehr. Bedenken Sie aber: Ein Journalist wird einer anonymen Quelle immer sehr skeptisch gegenüber stehen. Schließlich könnte es sich dabei um einen Konkurrenten oder einen gekündigten Mitarbeiter handeln, der aus Rache gezielt Falschinformationen verbreiten will.

Wie zitieren Journalisten ihre Quellen?

Für das Recherchegespräch mit Journalisten haben sich in der Fachsprache bestimmte Regeln eingebürgert. Als erstes sollte daher abgeklärt werden, ob ein Gespräch unter Eins, Zwei oder Drei stattfindet:

Unter Eins: Der Gesprächspartner darf vom Journalisten namentlich genannt und zitiert werden. Wörtliche Zitate werden üblicherweise noch einmal freigegeben, sofern sie nicht Teil einer öffentlichen Rede oder eines Kamera-Statements waren. Auch bei Gesprächen mit offiziellen Unternehmensvertretern verzichten Journalisten oft darauf, sich deren Zitate noch einmal freigeben zu lassen. Wenn Sie damit nicht einverstanden sein, sollten Sie vorab klare Spielregeln vereinbaren, zum Beispiel, dass Sie am Ende des Gespräches alle zitierfähigen Sätze noch einmal kurz absprechen.

Unter Zwei: Der Gesprächspartner darf zitiert, aber nicht genannt werden. Dabei achtet der Journalist darauf, dass die Identität des Gesprächspartners aus dem Zitat nicht erschlossen worden kann. In der Berichterstattung heißt es dann meist: „Aus gut unterrichteten Kreisen wurde bekannt …“.

Unter Drei: Beim sogenannten Hintergrundgespräch erhält der Journalist von seinem Gesprächspartner Informationen, die er weder direkt verwenden, noch namentlich zitieren kann. Einzige Ausnahme: Er bekommt die selben Informationen zeitgleich aus einer anderen, zitierfähigen Quelle.

Politiker und größere Unternehmen laden ausgewählte Journalisten immer wieder zu Hintergrundgesprächen „unter Drei“ ein, beispielsweise um die Medien ein neues Thema oder Ereignis vorzubereiten, das demnächst anstehen könnte. Oder um im vertraulichen Gespräch mit Journalisten deren Meinung zu anstehenden Themen zu erfahren.

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