Tipps für das Fernsehinterview: Wenn ein Pressesprecher über Blumen stolpert …

Zu den weniger schönen Inhalten der täglichen Arbeit eines Pressesprechers gehört es, auch unliebsame und vor allem unpopuläre Themen nach außen zu verteidigen und dafür den eigenen Kopf in die Kamera zu halten.

Oft erkennen Pressesprecher bei Medienanfragen schon an den ersten Worten des Redakteurs/der Redakteurin, in welche Richtung ein Beitrag gehen soll. So war es sicher auch Dr. Elmar Schleif, Pressesprecher des Bezirksamtes Eimsbüttel in Hamburg schnell klar, dass sein Bezirk in einem Bericht über einen Akt von Guerilla Gardening medial Prügel beziehen würde. Klar war ihm aber auch, dass er als Vertreter seiner Behörde eine erweiterte Auskunftspflicht gegenüber Medien hat, der er idealerweise durch ein Pressegespräch oder Interview nachkommen sollte. Im Hamburger Presserecht heißt es hierzu: „Die Behörden sind verpflichtet, den Vertretern der Presse und des Rundfunks die der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe dienenden Auskünfte zu erteilen.“ Einen Unterschied zwischen Nachrichtenformaten und Satire-Magazinen macht das Gesetz hierbei nicht.

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Kleider machen Meute

Das Jahr 2014 wird uns in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Dem Einen oder Anderen auch in Kleidungsfragen. Nicht etwa, weil es ein Jahr besonderer modischer Offenbarungen war, sondern weil ge- und missglückte Entscheidungen in der Kleiderwahl in den Medien ein beliebtes Thema waren – und mitunter auch Anlass für Krisenkommunikation und wortreiche Entschuldigungen:

Die Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kurz „Tschuri“ gehört wohl zu den größten Leistungen der jüngeren Raumfahrtgeschichte. Erstmalig gelang es einem Team von Wissenschaftlern aus 17 Ländern, erfolgreich die Sonde Rosetta auf einem Kometen zu landen, dessen Graviation nur ein Hunderttausendstel der Erdgraviation beträgt – gerade genug, um Rosetta mit dem Gewichtsäquivalent von einem Gramm an sich zu binden. 21 Jahre haben Wissenschafter an diesem großen Projekt gearbeitet. Rund eine Milliarde gut angelegter Euro kostete das gesamte Projekte von den ersten Plänen bis zur Landung (und der noch laufenden Auswertung der erfassten und noch kommender Forschungsdaten). Zum Team der Wissenschaftler gehört auch der britische Physiker Matt Taylor, dessen Begeisterung für das Projekt so weit geht, dass er sich Rosetta sogar als Tattoo auf den Oberschenkel stechen ließ. Wer will, kann sich eine Aufnahme davon auf Youtube ansehen. Auch sonst tritt Taylor, 41 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder, für einen britischen Forscher recht unkonventionell auf, was ihn im Missionsverlauf zu einer kleinen Berühmtheit auf Twitter werden ließ:https://twitter.com/mggtTaylor

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Mit weichen Themen aus der Krise – was der ADAC unter einer Fahrradstudie versteht

Wie in diesem Blog bereits ausführlich zu lesen war, erfindet sich Deutschlands Automobilclub Nr. 1 nach der größten Krise seiner Vereinsgeschichte gerade sukzessiv neu. Dazu gehört es auch, dass der Verband – nach dem Fiasko mit dem Gelben Engel – neue Verkehrsthemen sucht, mit denen er sich platzieren kann. Wir erinnern uns: Einst galt der Club als Vertreter des elegant durchgetretenen Gaspedales, wetterte in den 90er Jahren gegen Alleebäume auf ostdeutschen Straßen und in den 80ern gegen Tempo 100 auf der Berliner Stadtautobahn. Der Club-Spitzname eines „Auto-Darf-Alles-Club“ war in einem jahrzehntelangen ehrlichen Straßenkampf für eine asphaltierte Republik hart erarbeitet worden.

Ganz Deutschland jetzt auf zwölf Städte geschrumpft.

ADAC stellt fest: Ganz Deutschland jetzt auf zwölf Städte geschrumpft. (Quelle: ADAC)

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Saudumm oder genial?

War in diesem Blog von „Gelb“ und „Krise“ die Rede, ging es im letzten halben Jahr meist um den ADAC. Das soll heute mal anders sein, denn die Corporate-Farbe Gelb (in Kombination mit dem CMYK-Blau 100:39:0:52) steht in der Politik auch für die FDP. Und wer wollte leugnen, dass die Partei spätestens seit der letzten Bundstagswahl in einer schweren Krise steckt?

Anlass genug also, sich mit dieser Krise und noch mehr mit den Rezepten zu befassen, mit denen sich die Partei aus dieser Krise lösen will. Kommunikativ die beiden größten Herausforderungen sind das Durchbrechen des Negativ-Images und das – für eine Ex-Regierungspartei gewöhnungsbedürftige – mangelnde Interesse der Öffentlichkeit. Nach Links-Partei und Grünen als parlamentarischer Opposition bleibt der FDP nur noch die frustierende Rolle der außerparlamentarischen Opposion – etwa gleichauf mit der AFD und zeitweise auch mit den Piraten, wobei letztere zwischenzeitlich weitgehend in der selbstgemachten Versenkung verschwunden sind. Merke: Die Stärke einer Partei zeigt sich mitunter erst nach verlorenen Wahlen. Das ist wie im Sport.

Die Wahlforscherin Elisabeth Noelle Neumann hatte einst das Bild der sogenannten Schweigespirale geprägt: Es besagt (sinngemäß und hier etwas verkürzt dargestellt), dass viele Menschen sich öffentlich ungern zu ihrer Überzeugung bekennen, wenn sie fürchten, damit in der Minderheit zu sein und sich so in ihrem Umfeld zu isolieren. Da die Massenmedien (zu Noelle Neumanns Lebzeiten noch weitgehend ungestört) bestimmen konnten, was in der Öffentlichkeit als Mehrheitsmeinung wahrgenommen wird, entsteht hierdurch leicht eine Schweigespirale, indem die Vertreter einer abweichenden Meinung sich immer stärker in der Minderheit wähnen, deshalb in der Öffentlichkeit schweigen – daher der Namen „Schweigespirale“ – und so die vorherrschende Medienmeinung schließlich auch zur scheinbar dominanten Meinung der Öffentlichkeit wird.

In gewissem Sinn steckt auch die FDP in einer solchen Schweigespirale, denn es braucht Mut und wirkt aktuell ähnlich alleinmachend wie eine ansteckenden Krankheit, wenn man sich in diesen Tagen zur FDP bekennt. Mehr als in der realen Welt ist das in der Filter Bubble der Social-Media-Schwergewichte und Alpha-Blogger der Fall, die traditionell etwas linker, grüner und jünger sind als der Rest der Wahlbevölkerung und gerne jeden wegbeißen und mit einem Rant überziehen, der Kleinparteien wählt. (Der geneigte Leser fragt sich hier verwundert und mit Blick auf Russland oder China, ob nicht gerade die Vielfalt politischer (Partei-)Präferenzen eine große Stärke westlicher Demokratien ist, die es gebietet auch andersdenkenden Demokraten mit Respekt und offenem Ohr zu begegnen.)

FDP Brandenburg: Mit Selbstironie Aufmerksamkeit sammeln

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Warum Sport nicht mehr schön macht – vom Jubelthema zum Krisenthema

Kein Zweifel: Deutschland ist im Fußball-Fieber. Nach dem furiosen Auftaktsieg gegen Portugal denkt die Nation bereits laut über den Einzug ins Finale nach. Und weil der Erfolg viele Väter (und Mütter) hat, bereichert Bundeskanzlerin Merkel die politische Bild- und Formensprache nach Raute und Ärmchenheber um ein weiteres Mem in Gestalt des Umkleidekabinen-Selfies. Sogar der SPIEGEL, Hauspostille der Nörgler und Grantler anerkennt ehrfurchtsvoll, dass die Kanzlerin mit ihrem Heranschmeißen an die National-Elf auch in Sachen Selbstvermarktung alles richtig macht. Deutschland ist im WM-Rausch und die Sieger(in) mittendrin.

Mutti ist der zwölfte Mann: Bundeskanzlerin Merkel als Fußballmaskottchen.

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