Der ADAC im Shitstorm: Wir sind alle nur Klickvieh!

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Da steht er nun wie ein begossener Pudel: Deutschland mit Abstand beliebtester Verein. Der Automobilclub, der uns nachts bei strömendem Regen mit seinen Gelben Engeln vom Pannenstreifen holt, der uns mit dem Hubschrauber in die Heimat fliegt, wenn uns irgendwo im Urlaub der Magen zwickt. Und der, so die heimliche Hoffnung der meisten seiner Mitglieder, auch dafür sorgen kann, dass die Mineralölsteuer nicht steigt und Autofahren nicht nur die größte Leidenschaft der Deutschen, sondern auch eine bezahlbare bleibt.

Jener mit 19 Millionen zweitgrößte Automobilclub der Welt, der mit seiner „Motorwelt“, dem Fachblatt für Treppenliftanzeigen und authentische Leserfragen („Was ist die Höhenkontrolle im Hamburger Elbtunnel und warum lösen die Verantwortlichen sie immer im Berufsverkehr aus?“) auch Deutschlands auflagenstärkste Zeitschrift herausgibt. Jener Club also, von dem nicht wenige dachten, er könne Wein in Benzin verwandeln. Jener ADAC – hat gelogen.

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Demonstrieren für Youtube – über eine neue Form der Öffentlichkeit

Ein klassisches Orchester, das vor den Werkstoren des Waffenherstellers Heckler & Koch ein Protest-Konzert mit Händel und Bach gibt, ein Guerilla-Kollektiv, das eine Shell-Veranstaltung mit einer inszenierten Ölfontäne aufmischt oder Paraglider, die mit Protestplakaten über der VW-Konzernzentrale kreisen: Noch nie war Demonstrieren in Deutschland bunter, schriller und medienwirksamer. Und noch nie fand Protest so sehr abseits der klassischen Medien statt.

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Foto: Greenpeace/Michael Löwa.

War es noch vor wenigen Jahren das Ziel jeder Demonstration, durch Berichterstattung im TV und anderen Leitmedien Öffentlichkeit und damit Druck auf Politik und Wirtschaft zu erzeugen, ist Protest heute zunehmend viral. Wichtiger als die Protestakteure selbst sind deren professionelle Filmteams, die ihre Aufnahmen oft noch am selben Tag online stellen. Rund neun Millionen Zuschauer verzeichnete ein von Greenpeace gedrehtes Video gegen die globale Erwärmung bei Youtube. Kaum weniger oft wurden Filme über den Whistleblower Edward Snowden, die russische Punkrock-Band „Pussy Riot“ oder gentechnisch verändertes Essen abgerufen. War noch vor einigen Jahren die öffentliche Übergabe einer Unterschriftenliste am Werkstor Ziel und Höhepunkt jeden Protestes, sind heute Shitstorm und Käuferboykott die neuen Druckmittel der Straße.

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