Was zu einem guten Rücktritt gehört

Nachdem der ADAC am Wochenende vorübergehend im Vor-Krisen-Google-Tief angelagt war, sorgen nun der Wirbel um den Untersuchungsbericht über die Preisvergabe zum Gelben Engel, die Trophäen-Rücksendeaktion der Automobilindustrie und der erzwungene Rücktritt von ADAC-Präsident Peter Meyer für neue Schlagzeilen. Eine gute Gelegenheit, um über gelungene und weniger gelungene Rücktritte zu sprechen. Was macht eigentlich einen guten Rücktritt aus?

Neuer ADAC-Präsident August Markl: Regionalfürst ersetzt Regionalfürst (Foto: ADAC)

Neuer ADAC-Präsident August Markl: Regionalfürst ersetzt Regionalfürst (Foto: ADAC)

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ADAC: wieder glücklich im Google-Tief angelangt

Heute möchte ich den ADAC-Skandal mal von einer anderen Seite beleuchten. Die Diagnose-Tools von Google machen es möglich: Google Trends liefert die relative Häufigkeit von Suchanfragen zu ausgewählten Begriffen. Auf Wunsch tagesgenau.

Betrachten wir die Anfragen von Google-Nutzern zum Suchbegriff „ADAC“ über die letzten 90 Tage: Wie der nachfolgende Graph zeigt, war das Interesse an diesem Suchbegriff zum Jahresende 2013 recht gleichmäßig mit einem leichten Anstieg seit Anfang Januar. Ursächlich für diesen Anstieg dürfte die vermehrte Berichterstattung über typische Jahresanfang-Themen sein sowie die Mautdiskussion, die der ADAC am 27. Dezember mit einer Pressemitteilung befeuerte. Hinzu kam die Vorberichterstattung zur Preisverleihung „Gelber Engel“ inklusive Nominierung von Michael Schumacher. Am 14. Januar berichtete die Süddeutsche Zeitung dann erstmals über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung. Die Suchanfragen häuften sich – ein Peak gab es am 20. Januar nach der Eingeständnis-Pressekonferenz von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Google gibt die Häufigkeit von Such-Anfragen nur relativ an. Der Spitzentag 20. Januar markiert dabei das Maximum mit einem Indexwert von 100.

90-Tage Graph der Google-Anfragen zum Suchbegriff "ADAC" (Quelle: Google)

90-Tage Graph der Google-Anfragen zum Suchbegriff „ADAC“ (Quelle: Google)

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ADAC-Skandalometer

SPIEGEL Online berichtet heute über die jüngsten Austrittszahlen beim ADAC und kommt zum Ergebnis, dass der Automobilclub erwartungsgemäß mit geschönten Zahlen arbeitet. So gibt es einen Bestand an noch nicht bearbeiteten Kündigungen, der bisher nicht mitgezählt wurde. Mit dieser wenig spannenden Enthüllung geht der Skandal um den ADAC in die nun schon vierte Woche – eine gute Gelegenheit, das Skandalometer vorzustellen, das hier erstmals auf eine Unternehmens- und Kommunikationskrise angewendet wird.

Das Skandalometer ist als Netzgrafik ausgeführt. Sieben Parameter dienen zur Bewertung eines Skandals. Jeder einzelne Parameter kann die Werte 0 = „gar nicht vorhanden“ bis 10 = „Maximal vorhanden“ einnehmen. Nebeneinander gelegt ergeben sie ein individuelles Skandalbild. Nur große Skandale führen in der Regel zu Rücktritten, Strategieveränderungen oder gar zum Untergang eines Unternehmens oder einer Organisation. Das Skandalometer kann sein Aussehen im Verlauf eines Skandals verändern, etwa wenn neue Enthüllungen ans Tageslicht kommen. Hier der aktuelle Stand des ADAC-Skandalometers. Die Parameter im Einzelnen:

 

ADAC - Skandalometer

ADAC – Skandalometer

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In den Wulff-Modus geschaltet – Pannenserie beim ADAC geht weiter

Auch in der mittlerweile dritten Skandalwoche kommt der ADAC aus seiner selbst verursachten Pannenserie nicht heraus. Der milliardenschwere Automobilclub tritt in der Öffentlichkeit wie eine inhabergeführte Schrauberbude auf und zeigt reichlich Nerven. Nachdem Ferdinand Dudenhöffer, Vorzeige-Autoexperte aus Funk und Fernsehen bereits die Zerschlagung des Clubs gefordert hatte, verwies ADAC-Präsident Peter Meyer als Antwort hierauf beleidigt auf die stattlichen Honorare, die Dudenhöffer in der Vergangenheit vom Club erhalten hatte. Auch ein umstrittener Rettungshubschrauer-Flug mit dem Automobilexperten zu einem Vortragstermin kam bei dieser Gelegenheit ans Licht.

Symbolfoto: ADAC-Ausweichsimulation mit Wildschweinrotte

Symbolfoto: ADAC-Ausweichsimulation mit Wildschweinrotte

Überraschend hingegen die neue Bescheidenheit des ADAC bei der öffentlichen Themensetzung. Hatte der Club bisher zu fast jedem Verkehrsthema von der Autobahnmaut bis zu den Kältemitteln in Klimaanlagen eine dezidierte Meinung per Pressemitteilung in die Diskussion geworfen, gelobt Meyer nun eine neue und bisher ungewohnte Zurückhaltung. Häufigeres Schweigen ist das Gebot der Stunde.

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ADAC wird sturmreif geschossen

Nach dem Skandal um die gefälschte Abstimmung zum Publikumspreis „Gelber Engel“ erleben wir gerade in Echtzeit, wie die gesammelte Medienmacht der einschlägigen Investigativmagazine schwere Geschütze gegen den ADAC in Stellung bringt. Heute berichten Stern.de und Spiegel Online, über von Vereinspräsident Peter Meyer dienstlich genutzte Rettungshubschrauber. Auch die Frage des Abrechnungsbetruges für die Hubschraubereinsätze steht dabei im Raum.

ADAC-Hubschrauber im EInsatz

ADAC-Hubschrauber im Einsatz

Damit hat der ADAC die Stufe Drei der klassischen Kommunikationskrise erreicht. Nach dem Leugnen der ersten Vorfälle inklusive Beschimpfung der Medien und dem anschließenden Eingeständnis mit Entschuldigung folgen nun das Nachdrehen und die tiefergehende Recherche. Das weckt Erinnerungen an den Fall Christian Wulff.

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Der Gefallene Engel – die Angst des ADAC vor dem Crash-Test

Nachdem der Skandal um die gefälschte Abstimmung zum „Gelben Engel“ den ADAC in seine bisher schwerste Vertrauenskrise geführt hat, ist in der Club-Zentrale an der Münchner Hansastraße nun Zeit für einen ersten Blick nach vorn.

Besonders interessant ist dabei die Frage nach der Zukunft des Preises selbst. Während ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair im Interview mit Spiegel Online noch zurückhaltend bleibt („Momentan steht alles auf dem Prüfstand.“) findet ADAC-Präsident Peter Meyer bereits deutlichere Worte. Gegenüber dem Branchenblatt Automobilwoche erklärte er den Preis zum Totalschaden, der keine Zukunft hat. Das ist schade.

ADAC Gelber Engel bei erster Hilfe (1950er-Jahre).

ADAC Gelber Engel bei erster Hilfe (1950er-Jahre).

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