Nr. 93.184.129.133 lebt – das große Saubermachen – Update

Wer in Politik oder Wirtschaft um seinen Ruf in der Öffentlichkeit und speziell im Internet besorgt ist, der bedient sich qualifizierter Dienstleister aus dem Bereich des „Online Reputation Managements“. Das sind Ausputzer für’s Grobe, die mittels Anwaltschreiben an Blogger und Journalisten die Entfernung allzu missliebiger Erwähnungen des zu schützenden Promis erreichen. Wikipedia-Edits und seit dem sogenannten Autocomplete-Urteil des BGH (VI ZR 269/12) auch vermehrt das anwaltliche Vorgehen gegen Suchbegriff-Vorschläge bei Google gehören ebenfalls zu den Werkzeugen der Saubermänner. In NRWs Landeshauptstadt Düsseldorf haben die Dementoren des Internet keinen Namen, sondern eine Nummer. Sie lautet 93.184.129.133.

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Prokon – (Alp)Traumanlage für eine bessere Welt?

Eine sichere Geldanlage, die überdurchschnittlich verzinst wird – noch dazu von einem Unternehmen, das sich den Umweltschutz, die Energiewende und die Schaffung von Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Region auf die Agenda geschrieben hat. Dazu niedrige Vorstandsgehälter und Dacia als Dienstwagen. Das Ganze auch noch finanziert von vielen tausend Anlegern anstatt von jenen Bankern, die seit der Finanzkrise einen schlechten Ruf bei vielen Bundesbürgern haben. Zu schön um wahr zu sein?

Vor dieser Frage stehen gerade die Besitzer jener Genussscheine, von denen wahrscheinlich der Fortbestand der Itzehoer Prokon-Unternehmensgruppe abhängt (rund 1300 Mitarbeiter, Betreiber von rund gut 50 Windparks). Das Unternehmen hatte seinen Anlegern eine Verzinsung ihrer Anlagen mit mindestens 6 Prozent per annum garantiert – zuzüglich eines variablen Aufschlages. Im Gegenzug gab es für die Anleger nicht wie sonst üblich Aktien, sondern sogenannte Genussscheine. Das ist eine Anlageform, bei der der Geldgeber keinen Anteil am eigentlichen Unternehmen erwirbt und im Unterschied zum Aktionär weniger Informationsrechte und keine Stimmrechte besitzt. Außerdem werden Genussscheine im Insolvenzfall nachrangig entschädigt, also erst nach anderen Anlegern, Banken, Mitarbeitern und Lieferanten.

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Vor die Wand gefahren – immer Ärger mit den Promis

Spiel, Satz und Niederlage. Das Aus kam schnell, aber nicht überraschend: Zum Jahreswechsel beendete Autohersteller Daimler seine Zusammenarbeit mit dem einstigen Sportidol Boris Becker. Der Tennisheld der Deutschen, der in den 80-erjahren den Weißen Sport der Könige zur Massenpsychose werden ließ und den Wortschatz des Dichter-und-Denker-Volkes um Redewendungen wie „Becker-Rolle“, „Bin ich schon drin“ und „Samenraub“ bereichert hatte, machte zuletzt nur noch mit Negativ- Schlagzeilen auf sich aufmerksam.

Würdelos wie ein betrunkener Teenager auf Abi-Sause lieferte sich Becker mit Möchtegern-Moderator Oliver Pocher ein TV- und Twitter-Turnier mit dem intellektuellen Tiefgang einer Arschbombe. So verpasste der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten den Deutschen noch einmal eine gemeinsame Gänsehaut vor den Bildschirmen – diesmal beim kollektiven Fremdschämen.

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Bittere Schokolade – warum wir Verbraucher den Ritter-Sport-Prozess verloren haben

Am Ende kam das Urteil ganz schnell: Nach gerade einmal sechs Wochen entschied das Münchner Landgericht, dass die Stiftung Warentest nicht länger behaupten darf, der Schokoladenhersteller Ritter Sport verwende chemisch hergestelltes Aroma in seiner Voll-Nuss-Schokolade und täusche so seine Kunden.

Die Warentester hatten Mitte November 26 Nuss-Schokoladen verglichen und der Quadrate-Schokolade die Note „mangelhaft“ verpasst. Nicht etwa aus Geschmacksgründen, sondern weil der Hersteller das angeblich chemische Aroma Piperonal nicht als solches auf der Verpackung ausgewiesen hatte.

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Tipps gegen Lampenfieber

Die meisten Menschen sprechen nicht gerne in der Öffentlichkeit. Besonders TV-Interviews lassen bei Vielen den Adrenalinspiegel kräftig steigen. Dabei gibt es ein paar einfache Tricks, die vieles leichter machen. Hier meine 10 Tipps für Bürger, Experten, Journalisten und Pressesprecher, die zu einem kritischen Thema vor die Kamera treten.

Aufruf zur Elefantenjagd – die Schonzeit ist vorbei

Im Englischen gibt es ein schönes Sprachbild für ein Tabu im Geschäftsleben – man spricht dort auch vom „elephant in the room“. Der Elefant steht für ein Problem, das jeder im Raum sehr gut sehen kann, über das aber niemand zu sprechen wagt. Das kann das festgefahrene Projekt sein, das seit Jahren Verlust macht, aber nicht beendet werden darf, weil die Reputation des Geschäftsführers daran hängt. Das kann die drohende Übernahme durch einen Wettbewerber sein, zu der es keine Abwehrstrategie gibt. Das kann aber auch ein Unternehmensskandal aus der Vergangenheit sein, der nie richtig aufgearbeitet wurde.

Der Elefant steht mitten im Raum. Jeder sieht ihn. Er nimmt allen anderen den Platz zum Arbeiten und die Luft zum Atmen. Doch keiner traut sich, auf den Elefanten zu zeigen und zu rufen: „Weg damit“.

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