M(a)istens unabhängig – wie unkritisch darf Journalismus sein?

Gäbe es einen Preis für die skandalträchtigste Anstalt innerhalb der Senderfamilie der ARD, der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) besäße vermutlich ein Abonnent auf dauerhaften Titelgewinn. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelte jahrelang wegen Betrug, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im Umfeld des Senders. Ein Mitarbeiter wurde wegen Veruntreuung zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er mit öffentlichen Geldern seine private Spielsucht finanziert hatte. Verfahren gegen andere MDR-Verantwortliche wurden schließlich gegen Zahlung von Geldstrafen eingestellt. Der Sender galt zudem lange Zeit als Bastion fragwürdiger DDR-Ostalgie, aber unter seinem umstrittenen Intendanten Udo Reiter auch als sichere Bank der Union.

Der Mais und die Stadt - wie parteiisch darf Berichterstattung sein? (Foto: MDR)

Der Mais, die Flut und die Stadt – wie parteiisch darf Berichterstattung sein? (Foto: MDR)

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Der Mörder ist immer der Geiger

Rund 550 Namen enthält die globale Liste der Raumfahrer, also jener Menschen, die schon einmal die Grenze zum Weltall in rund 100 Kilometern Höhe überschritten haben. Würden 550 von ihnen einem besonderen Hobby nachgehen und sonst kein Mensch auf der Welt, so könnte man wohl mit Fug und Recht von einem Raumfahrer-Hobby sprechen.

Astronaut grüßt zur Tarnung freundlich - wen will er töten? (Quelle: NASA)

Astronaut grüßt zur Tarnung freundlich – wen wird er als nächstes töten? (Quelle: NASA)

 

Gäbe es hingegen nur einen Raumfahrer auf der Welt, der – genau wie Millionen anderer Menschen – beispielsweise Briefmarken sammelt oder Schach spielt, würde man eher nicht von einem Raumfahrer-Hobby sprechen. Außer natürlich, man könnte daraus einen reißerischen Artikel machen.

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Bekenntnisse am Beamtenschreibtisch

Immer wieder bin ich in diesem Blog darauf eingegangen, wie wichtig es gerade bei schwierigen und unschönen Themen ist, das Umfeld für ein Fernseh-Interview sorgfältig vorzubereiten. Eine der beliebtesten Gesprächsumgebungen gerade in der kritischen Fernsehberichterstattung ist seit jeher das Schreibtisch-Interview. Die Vorliebe von TV-Teams für den Besuch am Behörden-Schreibtisch kommt nicht von ungefähr, denn das Möbelstück besitzt als Requisite hohe Symbolkraft und erlaubt allerlei satirische Interpretationen. So hat die Hörspiel-Reihe „Stenkelfeld“ dem Beamtenschreibtisch als Kunstwerk eine sehr hörenswerte Sottise spendiert.

Ein gutes Beispiel für die Wirkung eines solchen Schreibtisch-Interviews liefert der Beitrag „Realer Irrsinn: Illegale Solaranlage im Braunkohlegebiet“ von extra 3 (NDR):

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