Der Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise – oder: warum Pegida vielleicht schon gewonnen hat

Kein Zweifel: Spätestens seitdem erst eine Freie Mitarbeiterin des WDR im niederländischen Radio zu den Ausschreitungen in Köln erklärt hatte, dass es für die Berichterstattung Anweisungen „von oben“ gäbe, um dann wenige Tage später zurück zu rudern und kurz darauf auch der bekannte Ex-ZDF-Journalist Wolfgang Herles Ähnliches zu Protokoll gab, fühlen sich „besorgte Bürger“ von rechts in ihrer Medienkritik an der „Lügenpresse“ und den „Staatsmedien“ bestätigt. Gerade seitens der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung und der kaum weniger xenophoben Rechtsaußenpartei AfD werden diese Vorwürfe mit bisher unbekannter Schärfe erhoben.

In rechten Kreisen bereits als Hoodie zu haben: Der Lügenpressevorwurf.

In rechten Kreisen bereits als Hoodie zu haben: Der Lügenpressevorwurf.

Mag man auch Herles‘ Aussagen als Rache eines geschassten Ressortleiters abtun und die Einlassungen der WDR-Mitarbeiterin als Augenblicksversagen einordnen, so haben beide doch einiges Porzellan zerschlagen, denn ihre Worte fielen auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil Viele glauben wollen, was sie dort zu hören bekamen. Der Vorwurf gegenüber Journalisten, nicht unabhängig oder zu staatsnah zu berichten, ist wohl so alt, wie die freie Berichterstattung selbst. Neu ist aber das Ausmaß, in dem der Zweifel an der Objektivität der Medien bei weiten Teilen der Bevölkerung Gehör findet. Bereits im Sommer 2015 mahnte die ZEIT: „Das Misstrauen gegenüber Medien in Deutschland ist groß – und es wächst.“ Die Zeitung zitierte aus einer Studie von infratest dimap, derzufolge 60 Prozent der Bevölkerung „wenig (53 Prozent) oder gar kein (7 Prozent) Vertrauen in die Medien“ habe. Das sind bisher unerreichte Werte und daher ist es kein Wunder, dass sich zuletzt einige Schwergewichte der Branche zu diesem Thema zu Wort meldeten.

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