Mit weichen Themen aus der Krise – was der ADAC unter einer Fahrradstudie versteht

Wie in diesem Blog bereits ausführlich zu lesen war, erfindet sich Deutschlands Automobilclub Nr. 1 nach der größten Krise seiner Vereinsgeschichte gerade sukzessiv neu. Dazu gehört es auch, dass der Verband – nach dem Fiasko mit dem Gelben Engel – neue Verkehrsthemen sucht, mit denen er sich platzieren kann. Wir erinnern uns: Einst galt der Club als Vertreter des elegant durchgetretenen Gaspedales, wetterte in den 90er Jahren gegen Alleebäume auf ostdeutschen Straßen und in den 80ern gegen Tempo 100 auf der Berliner Stadtautobahn. Der Club-Spitzname eines „Auto-Darf-Alles-Club“ war in einem jahrzehntelangen ehrlichen Straßenkampf für eine asphaltierte Republik hart erarbeitet worden.

Ganz Deutschland jetzt auf zwölf Städte geschrumpft.

ADAC stellt fest: Ganz Deutschland jetzt auf zwölf Städte geschrumpft. (Quelle: ADAC)

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Saudumm oder genial?

War in diesem Blog von „Gelb“ und „Krise“ die Rede, ging es im letzten halben Jahr meist um den ADAC. Das soll heute mal anders sein, denn die Corporate-Farbe Gelb (in Kombination mit dem CMYK-Blau 100:39:0:52) steht in der Politik auch für die FDP. Und wer wollte leugnen, dass die Partei spätestens seit der letzten Bundstagswahl in einer schweren Krise steckt?

Anlass genug also, sich mit dieser Krise und noch mehr mit den Rezepten zu befassen, mit denen sich die Partei aus dieser Krise lösen will. Kommunikativ die beiden größten Herausforderungen sind das Durchbrechen des Negativ-Images und das – für eine Ex-Regierungspartei gewöhnungsbedürftige – mangelnde Interesse der Öffentlichkeit. Nach Links-Partei und Grünen als parlamentarischer Opposition bleibt der FDP nur noch die frustierende Rolle der außerparlamentarischen Opposion – etwa gleichauf mit der AFD und zeitweise auch mit den Piraten, wobei letztere zwischenzeitlich weitgehend in der selbstgemachten Versenkung verschwunden sind. Merke: Die Stärke einer Partei zeigt sich mitunter erst nach verlorenen Wahlen. Das ist wie im Sport.

Die Wahlforscherin Elisabeth Noelle Neumann hatte einst das Bild der sogenannten Schweigespirale geprägt: Es besagt (sinngemäß und hier etwas verkürzt dargestellt), dass viele Menschen sich öffentlich ungern zu ihrer Überzeugung bekennen, wenn sie fürchten, damit in der Minderheit zu sein und sich so in ihrem Umfeld zu isolieren. Da die Massenmedien (zu Noelle Neumanns Lebzeiten noch weitgehend ungestört) bestimmen konnten, was in der Öffentlichkeit als Mehrheitsmeinung wahrgenommen wird, entsteht hierdurch leicht eine Schweigespirale, indem die Vertreter einer abweichenden Meinung sich immer stärker in der Minderheit wähnen, deshalb in der Öffentlichkeit schweigen – daher der Namen „Schweigespirale“ – und so die vorherrschende Medienmeinung schließlich auch zur scheinbar dominanten Meinung der Öffentlichkeit wird.

In gewissem Sinn steckt auch die FDP in einer solchen Schweigespirale, denn es braucht Mut und wirkt aktuell ähnlich alleinmachend wie eine ansteckenden Krankheit, wenn man sich in diesen Tagen zur FDP bekennt. Mehr als in der realen Welt ist das in der Filter Bubble der Social-Media-Schwergewichte und Alpha-Blogger der Fall, die traditionell etwas linker, grüner und jünger sind als der Rest der Wahlbevölkerung und gerne jeden wegbeißen und mit einem Rant überziehen, der Kleinparteien wählt. (Der geneigte Leser fragt sich hier verwundert und mit Blick auf Russland oder China, ob nicht gerade die Vielfalt politischer (Partei-)Präferenzen eine große Stärke westlicher Demokratien ist, die es gebietet auch andersdenkenden Demokraten mit Respekt und offenem Ohr zu begegnen.)

FDP Brandenburg: Mit Selbstironie Aufmerksamkeit sammeln

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