Panikparty mit Shitstorm

Unter Konzertveranstaltern ist es seit jeher gelebte Tradition, die Besucher ihrer Großevents ein bisschen so zu behandeln wie Schlachtvieh auf einem Güterbahnhof. Vor diesem Hintergrund schien das Gebahren des Konzertveranstalters Think Big beim Udo-Lindenberg-Konzert am 7. Juni in der Düsseldorfer Esprit-Arena auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich: Unter Vorspiegelung einer falschen Anfangszeit (18 Uhr statt 21 Uhr, Einlass ab 16 Uhr) wurden die Besucherströme zeitig ins Konzertstadion gelockt, wo ihnen dann mitgebrachte Getränkeflaschen aus „Sicherheitsgründen“ abgenommen wurden. Das alles mit dem erkennbaren Ziel, drei Stunden lang teure Getränke und Speisen aus dem eigenen Catering an die wartenden Konzertbesucher zu verkaufen.

#panikparty in Düsseldorf - Udos große Fan-Verlade

#panikparty in Düsseldorf – Udos große Fan-Verlade mit Shitstorm

Dreist war es, den wartenden Konzertbesuchern, die gutgläubig in die Warte-Falle getappt waren, ein eher maues Vorprogramm zu bieten. Insbesondere, weil die BILD-Zeitung und andere mit Wissen (oder auf Betreiben) des Veranstalters Otto Waalkes und Peter Maffay für das Vorprogramm ins Gespräch gebracht hatten. Dumm war es, das Catering nicht für den Massenansturm vorzubereiten und bei sommerlichen Wetter an vielen Verkaufsstellen kein Wasser mehr anbieten zu können.

Und außergewöhnlich dumm war es, dann im Stadion auch noch einen Twitter-Wall zu installieren und den Gästen vor Ort Gelegenheit zu geben, ihre Meinung über dieser Mehrfach-Verlade unzensiert genau dort zu veröffentlichen. Wie Blogger Thomas Knüwer berichtet, wurde der zu erwartende Shitstorm noch ungeschickt angeheizt durch die Ankündigung des Veranstalters: “Udo sitzt im Hotel und liest alles mit.”

Der Shitstorm mit Ansage entlud sich, Medien von Focus Online über stern.de bis hin zur örtlichen Lokalpresse griffen die Geschichte feixend auf und berichteten ausführlich. Fast in den Hintergrund geriet dabei das folgende Lindenberg-Konzert, das wohl nicht ganz schlecht gewesen sein soll.

Für das Folgekonzert lernte Think Big aus den eigenen Fehlern, erlaubte eine Mindestmenge an PET-Flaschen für den Eigenbedarf und veröffentlichte vorab einen Ablaufplan des Konzerts im Web. Fazit: Das Schlachtvieh Konzertbesucher hat zumindest einen Teilerfolg erzielt. Bis zur nächsten Vieh-Verlade.

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