ADAC-Sofortprogramm im Schnell-Check

Heute hat der ADAC erste Informationen zu seinem geplanten Maßnahmenpaket als Reaktion auf die vielen Skandale der vergangenen Tage vorgestellt. Hier ein erster Eindruck zu den beschriebenen Maßnahmen. Alle Zitate aus der entsprechenden ADAC-Pressemitteilung.

„Die renommierte Rechtsanwaltskanzlei Freshfields wurde beauftragt, sämtliche Compliance-Regelungen des ADAC zu überprüfen und ein umfassendes, deutlich erweitertes Compliance-System zu entwickeln.“

Ähnlich haben auch schon andere Großunternehmen auf interne Krisen reagiert, beispielsweise Siemens oder die Deutsche Telekom nach dem Abhörskandal. Seinerzeit wurde Manfred Baltz als Rechts- und Compliance-Vorstand installiert. Ein richtiger Schritt, sofern der Compliance-Vorstand tatsächlich eine Hausmacht besitzt.

„Ab sofort gibt es für Pannenhelfer keinen Bonus für den Verkauf von Batterien mehr. Die Straßenwachtfahrer werden durch diese Neuregelung wirtschaftlich nicht schlechter gestellt.“

Die Maßnahme ist überfällig. Ein Bonus-System für Pannenhelfer ist natürlich sinnvoll, es sollte aber auf Kundenbefragungen basieren, die umsatzunabhängig erfolgen. Wertvollster Aktivposten des ADAC sind seine 19 Millionen Mitglieder, nicht der Umsatz als Vertriebszweig eines einzelnen Batterieherstellers. Derartige Kooperation beschädigen das Image des Vereins und haben mit zur Krise beigetragen.

„Die ADAC Hubschrauber werden ab sofort ausnahmslos im Rahmen der Rettungshilfe eingesetzt.“

Betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, aber eine richtige Entscheidung im Sinne der Außenwirkung. Bleibt abzuwarten, ob der ADAC für zukünftige Vorstandsreisen externe Anbieter beauftragt oder einen eigenen Vorstandshubschrauber in abweichendem Design bereitstellt – Letzteres dürfte wohl aufgrund der insgesamt geringen Zahl der Vorstandsflüge nicht zu rechtfertigen sein.

„Ab sofort finden keine ADAC-Tests ohne doppelte Qualitätskontrolle mehr statt.“

Hier wäre interessant, wie die Qualitätskontrollen auszusehen haben. Gibt es externe Qualitätsprüfer oder einen Mitglieder- oder Leserbeirat?

„Zudem wird der ADAC eine externe Website freischalten, auf der ADAC Mitglieder – auch anonym – auf konkrete Missstände hinweisen können.“

Voraussichtlich eine Maßnahme ohne große Kosten und Wirkung. Dass hierfür kein konkretes Startdatum genannt wird, zeigt schon, dass auch der Vorstand der Website wenig Wert beimisst.

Erster Eindruck: Die Maßnahmen sind ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber nicht sonderlich revolutionär. Die Unternehmenskommunikation hat sich darauf eingestellt, den Vorstand zu schützen und Druck von ihm zu nehmen. Ob die Strategie aufgeht, wird sich bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse zu den Gelber-Engel-Fälschungen in wenigen Tagen zeigen.

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