„Endlich ist er weg“ – Von der Freude am Rücktritt

Wie angekündigt, will ich mich an dieser Stelle tiefergehend mit dem Thema „Rücktritt“ befassen. Im Beitrag „Journalisten in der Krisenkommunikation“ hatte ich bereits gezeigt, dass gerade Medienvertreter oft schlecht zurücktreten und loslassen können. Dafür sind sie gute Beobachter, was die Rücktritte anderer betrifft.

Ein Rücktritt ist in der Regel der unschöne Höhepunkte in der Krise und zieht das mitunter bereits abschwellende mediale Interesse noch einmal in unerwünschte Höhen (siehe ADAC). Meist steht der Rücktritt am Ende einer Kette von Verfehlungen und die Medien haben durch deren Aufdeckung gezielt auf den Führungswechsel hingearbeitet. Einen Vorstand oder Minister „erlegt“ zu haben – das schmückt die Trophäengalerie eines Enthüllungsjournalisten und trägt zum Renommee des Mediums bei, für das er schreibt. Die BILD-Zeitung wollte mit dem von ihr maßgeblich mit vorangetriebenen Rücktritt von Alt-Bundespräsident Christian Wulff auch Unabhängigkeit gegenüber der Regierungspartei CDU demonstrieren. Mittlerweile geriert sich die Zeitung sogar als APO.

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Kommunizieren in der Krise – der Ratgeber

Heute vom Verlag die Information erhalten, dass mein Krisen-Ratgeber zeitnah in Druck geht und bald im Handel sein wird. Bei Amazon kann das Buch bereits vorbestellt werden. Wer erfahren möchte, was zahlreiche Kommunikationsprofis aus Redaktionen, Agenturen und Unternehmenspressestellen zum Thema Krisenkommunikation sagen, ist herzlich eingeladen in meinem Buch zu schmökern.

Ich freue mich sehr, mit Günter Wallraff, Petra Hoffknecht, Guido Warlimont, Martin Sonneborn, Oliver Beck und vielen weiteren klugen Köpfen wunderbare Ansprech- und Interviewpartner gefunden zu haben.

Und natürlich freue ich mich auch über Rezensionen und Kurzkommentare beim bekannten Online-Buchhändler – und ebenso auch über Feedback direkt per Mail oder in den Kommentarspalten dieses Blogs.

Das Spiel mit dem Shitstorm: vom Punk- zum Marketinginstrument

Zu den gefürchtetsten Phänomenen in Internet und Social Media gehört der Shitstorm. Wenn hunderttausend empörte Facebook-Junkies die Postfächer eines Unternehmens mit Aggression fluten, geht auch die Social-Media-Kommunikation manches Weltkonzerns prophylaktisch auf Tauchgang oder igelt sich komplett ein.

Doch mit der zahlenmäßigen Zunahme der Shitstorms und ihrer wachsenden Berechenbarkeit und Regelmäßigkeit setzt bei manchen Unternehmen ein interessanter Wandel ein. Während unfreiwillige Shitstorm-Pioniere wie Nestlé in der Kitkat-Krise noch auf die wenig tauglichen Mittel klassischer Offline-PR vertrauten (verschweigen, verklagen, verleumden), bedienen sich die ersten Akteure jetzt typischer Social-Media-Stilmittel wie Witz, Originalität und Selbstironie.

Zu den Pionieren dieses neuen Trends gehört der britische Hygiene-Hersteller Bodyform, der öffentliche Kritik an seiner Werbung für Damenbinden mit einem smarten Antwortfilm parierte, dessen Protagonistin demonstrativ blaues Wasser trinkt und dazu erklärt, dass es die in der Werbung dargestellte „glückliche Periode“ ehrlicherweise nicht gebe. Bodyform reagierte damit auf den humorigen Facebook-Beitrag eines unbekannten Mannes, der geklagt hatte, dass Bindenwerbung ein falsches Bild der weiblichen Periode mit „Radfahren, Tanzen und Fallschirmspringen“ sowie „blauem Wasser über Flügeln“ produziere. Die humorige Antwort von Bodyform brachte dem Unternehmen viel Respekt und Preise ein und konnte den Shitstorm so erfolgreich in einen Candystorm verwandeln. Über fünf Millionen Male wurde der Film auf Youtube aufgerufen:

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Was zu einem guten Rücktritt gehört

Nachdem der ADAC am Wochenende vorübergehend im Vor-Krisen-Google-Tief angelagt war, sorgen nun der Wirbel um den Untersuchungsbericht über die Preisvergabe zum Gelben Engel, die Trophäen-Rücksendeaktion der Automobilindustrie und der erzwungene Rücktritt von ADAC-Präsident Peter Meyer für neue Schlagzeilen. Eine gute Gelegenheit, um über gelungene und weniger gelungene Rücktritte zu sprechen. Was macht eigentlich einen guten Rücktritt aus?

Neuer ADAC-Präsident August Markl: Regionalfürst ersetzt Regionalfürst (Foto: ADAC)

Neuer ADAC-Präsident August Markl: Regionalfürst ersetzt Regionalfürst (Foto: ADAC)

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ADAC: wieder glücklich im Google-Tief angelangt

Heute möchte ich den ADAC-Skandal mal von einer anderen Seite beleuchten. Die Diagnose-Tools von Google machen es möglich: Google Trends liefert die relative Häufigkeit von Suchanfragen zu ausgewählten Begriffen. Auf Wunsch tagesgenau.

Betrachten wir die Anfragen von Google-Nutzern zum Suchbegriff „ADAC“ über die letzten 90 Tage: Wie der nachfolgende Graph zeigt, war das Interesse an diesem Suchbegriff zum Jahresende 2013 recht gleichmäßig mit einem leichten Anstieg seit Anfang Januar. Ursächlich für diesen Anstieg dürfte die vermehrte Berichterstattung über typische Jahresanfang-Themen sein sowie die Mautdiskussion, die der ADAC am 27. Dezember mit einer Pressemitteilung befeuerte. Hinzu kam die Vorberichterstattung zur Preisverleihung „Gelber Engel“ inklusive Nominierung von Michael Schumacher. Am 14. Januar berichtete die Süddeutsche Zeitung dann erstmals über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung. Die Suchanfragen häuften sich – ein Peak gab es am 20. Januar nach der Eingeständnis-Pressekonferenz von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Google gibt die Häufigkeit von Such-Anfragen nur relativ an. Der Spitzentag 20. Januar markiert dabei das Maximum mit einem Indexwert von 100.

90-Tage Graph der Google-Anfragen zum Suchbegriff "ADAC" (Quelle: Google)

90-Tage Graph der Google-Anfragen zum Suchbegriff „ADAC“ (Quelle: Google)

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ADAC-Sofortprogramm im Schnell-Check

Heute hat der ADAC erste Informationen zu seinem geplanten Maßnahmenpaket als Reaktion auf die vielen Skandale der vergangenen Tage vorgestellt. Hier ein erster Eindruck zu den beschriebenen Maßnahmen. Alle Zitate aus der entsprechenden ADAC-Pressemitteilung.

„Die renommierte Rechtsanwaltskanzlei Freshfields wurde beauftragt, sämtliche Compliance-Regelungen des ADAC zu überprüfen und ein umfassendes, deutlich erweitertes Compliance-System zu entwickeln.“

Ähnlich haben auch schon andere Großunternehmen auf interne Krisen reagiert, beispielsweise Siemens oder die Deutsche Telekom nach dem Abhörskandal. Seinerzeit wurde Manfred Baltz als Rechts- und Compliance-Vorstand installiert. Ein richtiger Schritt, sofern der Compliance-Vorstand tatsächlich eine Hausmacht besitzt.

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