Machtkampf beim ADAC

ADAC-Präsident Peter MeyerADAC-Geschäftsführer Karl Obermair

 Das Duell: Meyer gegen Obermair

In der nunmehr vierte Krisenwoche beim ADAC zeigt die Krisenkommunikation des Clubs erste Risse und lässt einen Machtkampf zwischen Vereinspräsident Peter Meyer und Geschäftsführer Karl Obermair immer offensichtlicher werden: Erkennbar wird der Dissens in den Interviews, die beide wechselseitig geben und nicht miteinander absprechen. Schon auf der Krisenpressekonferenz am 20. Januar musste Obermair allein den Kopf hinhalten. Vertreter des Club-Präsidiums waren auf dem Podium nicht anwesend, als Obermair die Manipulationen zum Gelben Engel einräumen musste:

Das war bei der eigentlichen Preisverleihung wenige Tage zuvor noch ganz anders gewesen. Hier hatte sich die Vereinsspitze gerne gezeigt:

Deutlich werden die Unstimmigkeiten zwischen beiden beim Lesen der zahlreichen Interviews, die beide zur Krisen gegeben haben:

Wird der „Gelbe Engel“ nächstes Jahr noch vergeben?

Karl Obermair: „Das wissen wir nicht. Momentan steht alles auf dem Prüfstand.“ (Spiegel, 20. Januar 2014)

Während Obermair ankündigte, ein notarial überwachtes Verfahren für die Abstimmung 2015 zu planen, schuf sein Vereinspräsident bereits Fakten. Auf die Frage, ob es eine Preisverleihung 2015 geben werde, antwortete Peter Meyer: „Sicherlich nein, er hat keine Zukunft. Das war ein Totalschaden.“ (Automobilwoche, 22. Januar 2014)

Wurde bei den Manipulationen zum Gelben Engel auch die Reihenfolge der Preisträger verfälscht?

Karl Obermair: „Die Rangfolge der Ergebnisse ist nicht verändert worden.“ (Pressekonferenz des ADAC am 20. Januar 2014)

Peter Meyer: „Ob das der Wahrheit entspricht, soll die Untersuchung ans Licht bringen, mit der wir externe Prüfer federführend beauftragt haben.“ (Interview mit ADAC Motorwelt 2/2014)

Wer wird den Skandal aufklären?

Karl Obermair: Unser Ziel ist es, das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit des ADAC wiederherzustellen.“ (Pressekonferenz 20. Januar 2014)

Peter Meyer: „Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können. In diesem Fall bin ich auch der Garant für die Aufklärung in der Sache.“ (BILD, 21. Januar 2014)

Über personelle Verantwortung

Karl Obermair: „Wir haben ganz klar einen Hauptverantwortlichen.“ (Pressekonferenz 20. Januar 2014)

Peter Meyer: „Die Demission des Kommunikationschefs war der richtige Schritt, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Weitere Schritte müssen folgen.“ (Interview mit ADAC Motorwelt 2/2014).

Wen hat Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter über seine Manipulationen informiert?

Karl Obermair: „Adressat der E-Mail war nur ich persönlich. Ob weitere Personen in Blindkopien auf dem Verteiler waren, weiß ich nicht.“ (Spiegel, 20. Januar 2014)

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Club-Präsidenten und seinem Geschäftsführer scheint also nachhaltig gestört. Das Problem Mayers: Viele der zuletzte bekannten gewordenen Vorfälle fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich seines Geschäftsführers. Eine Entlassung Obermairs wäre nur ein weiteres Bauernopfer ohne die zentralen Probleme zu lösen und Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Das eigentliche Dilemma des Vereins, die mangelhafte Kontrolle eines als Ehrenamtlichen-Club organisierten Millardenkonzerns, wird damit nicht behoben.

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