ADAC wird sturmreif geschossen

Nach dem Skandal um die gefälschte Abstimmung zum Publikumspreis „Gelber Engel“ erleben wir gerade in Echtzeit, wie die gesammelte Medienmacht der einschlägigen Investigativmagazine schwere Geschütze gegen den ADAC in Stellung bringt. Heute berichten Stern.de und Spiegel Online, über von Vereinspräsident Peter Meyer dienstlich genutzte Rettungshubschrauber. Auch die Frage des Abrechnungsbetruges für die Hubschraubereinsätze steht dabei im Raum.

ADAC-Hubschrauber im EInsatz

ADAC-Hubschrauber im Einsatz

Damit hat der ADAC die Stufe Drei der klassischen Kommunikationskrise erreicht. Nach dem Leugnen der ersten Vorfälle inklusive Beschimpfung der Medien und dem anschließenden Eingeständnis mit Entschuldigung folgen nun das Nachdrehen und die tiefergehende Recherche. Das weckt Erinnerungen an den Fall Christian Wulff.

Was macht den Fall so interessant für die Medien? Der ADAC ist ein Akteur, an dem in der Autofahrernation Deutschland kaum ein Weg vorbei führt. Fast jeder hat schon mal die Hilfe der Gelben Engel in Anspruch genommen oder sich als bekennender Nicht-Autofahrer über den Lobbyismus des Vereins geärgert. Der ADAC besitzt zudem eine enorme Fallhöhe. Seine Geschichte ist bisher weitestgehend skandalfrei und die beeindruckende Zahl von 19 Millionen Mitgliedern (viele davon natürlich Karteileichen, die nur die Pannenhilfe benötigen) hat auch Politiker bisher davon abgehalten, offen gegen den Club aufzutreten. Nun brechen die Dämme.

Woran arbeiten die Medien gerade? Der Verein bietet überraschend viele Angriffspunkte. Nachdem die Manipulation beim Gelben Engel bekannt wurde, werden gerade frühere Abstimmungsergebnisse kritisch überprüft. Da Michael Ramstetter bereits seit 1998 beim ADAC war, ist hier viel Raum für Recherchen. Ziel der Nachforschungen ist es, die wenig glaubhafte Einzeltäter-Darstellung des ADAC zu Fall zu bringen. Aktuell suchen die Medien deshalb auch das Gespräch mit jenen 30 ADAC-Mitarbeitern die sich einst vergeblich über Ramstetters Führungsstil beschwert hatten. Und bekanntlich gibt es auch noch einen Whistleblower beim ADAC, dessen Identität bisher nur die Süddeutsche Zeitung kennt. Das dürfte besonders den Focus ärgern, der als zweites Münchner Recherchemagazin noch keinen Stich in der causa ADAC gelandet hat.

Ein weiterer Ansatzpunkt sind jene älteren Herren (es sind nur Herren) aus dem Präsidium des Clubs. Es ist für viele Journalisten wenig glaubhaft, dass die Führung eines solch milliardenschweren Vereins weitestgehend ehrenamtlich tätig war. Immerhin war und ist die Zusammenarbeit mit dem ADAC für Versicherer und andere Dienstleistungsanbieter eine Lizenz zum Gelddrucken. Und in der Versicherungsbranche werden erfolgreiche Abschlüsse dankbar honoriert – man denke an den Skandal bei der Hamburg Mannheimer.

Nächstes Thema – gerade in Bayern – ist die Frage nach der Steuerehrlichkeit des Clubs. Wurde der Vereinsstatus für Vergünstigungen missbraucht, die vom Gesetz so nicht vorgesehen sind? Hat der Club Töchter und Konten im Ausland, über die größere Zahlungen liefen? Da der ADAC sich weitgehend selbst kontrolliert und in seiner Struktur einem Kleingartenverein ähnlicher ist als einem multinationalen Konzern wird sicher einiges im Argen liegen. Vielversprechendes Recherchefutter.

Wir bleiben dran.

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