Vor die Wand gefahren – immer Ärger mit den Promis

Spiel, Satz und Niederlage. Das Aus kam schnell, aber nicht überraschend: Zum Jahreswechsel beendete Autohersteller Daimler seine Zusammenarbeit mit dem einstigen Sportidol Boris Becker. Der Tennisheld der Deutschen, der in den 80-erjahren den Weißen Sport der Könige zur Massenpsychose werden ließ und den Wortschatz des Dichter-und-Denker-Volkes um Redewendungen wie „Becker-Rolle“, „Bin ich schon drin“ und „Samenraub“ bereichert hatte, machte zuletzt nur noch mit Negativ- Schlagzeilen auf sich aufmerksam.

Würdelos wie ein betrunkener Teenager auf Abi-Sause lieferte sich Becker mit Möchtegern-Moderator Oliver Pocher ein TV- und Twitter-Turnier mit dem intellektuellen Tiefgang einer Arschbombe. So verpasste der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten den Deutschen noch einmal eine gemeinsame Gänsehaut vor den Bildschirmen – diesmal beim kollektiven Fremdschämen.

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Die Zusammenarbeit mit Daimler war eine der wenigen Konstanten in Beckers Leben – neben seiner Vorliebe für dunkelhäutige Schönheiten. Der Leimener besitzt mehrere Mercedes-Autohäuser im Osten der Republik. Neben dem Tennis ist das eine der wenigen Erfolgs-Storys in Beckers Leben, seitdem dieser 1999 letztmalig und endgültig das Racket an den Nagel hängte. Das Internet-Portal „Sportgate“, an dem Becker beteiligt war: längst pleite. Beckers Sportbekleidungsfirma Pro Sport: pleite. Sein Müsli-Portal New Food AG: ebenfalls pleite. Und auch seine Sportler-Agentur ging schon nach kurzer Zeit den Weg alles Dinglichen.

Beckers Abonnement auf wirtschaftlichen Misserfolg, sein steueroptimierender Zug-Zug ins Schweizerische Exil, das Kind aus der Besenkammer, die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und die vielen Bäume, die für den Druck seiner Autobiographien einen würdelosen Tod gestorben sind – das alles verziehen die Deutschen ihrem Bum-Bum-Bobbele generös. Die öffentlich-telemediale Selbstzerlegung jedoch überforderte die (Mit)Leidensfähigkeit von Führungskräften aus dem mittelständischen Sanitärfachgroßhandel, jener Kernzielgruppe des Stuttgarter Autobauers mit dem guten Stern.

Nachdem sich die schwäbischen Automobilerfinder schon lange den Schneid von der deutlich sportlicheren Konkurrenz aus München und Ingolstadt hatten abkaufen lassen, war ihnen zuletzt auch die Sportlichkeit des eigenen Testimonials Becker abhanden gekommen. Boris Becker und Daimler, da dachte zuletzt niemand mehr an legendäre Hechtsprünge oder Fahrwerke mit „„Magic Body Control“, eher schon an eine andere große Daimler-Erfindung: den Airbag.

Die Scheidung aufgrund hartnäckigen Auseinanderlebens war nachvollziehbar und konsequent. Sie reiht sich ein in die lange Geschichte unglücklicher und schmerzhafter Trennungen von Unternehmen und Stars. Mal löste sich Sportartikler Adidas wegen Dopings vom einstigen Vorzeigeradler Jan Ullrich. Mal gab Chemie-Riese Bayer Leverkusen dem Langstrecken-Läufer Dieter Baumann den Laufpass. Auch hier ging es um Doping-Mittel, die dem 5.000m-Europarekordläufer angeblich über seine Zahnpasta verabreicht worden waren. Adidas-Konkurrent Nike trennte sich 2012 nach dessen Dopinggeständnis von Radfahrlegende Lance Armstrong. Zum medialen Super-GAU wurde für Nike die Kooperation mit dem südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius. Das US-Unternehmen hatte für den Wunderläufer den Werbespruch „Ich bin die Kugel in der Kammer“ geprägt und weltweit plakatiert. Kurz darauf erschoss Pistorius seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp.

Das Sonnen im Abglanz großer Heldinnen und Helden – es schlägt für Sponsoren schnell um in einen fulminanten Imageschaden, wenn der Vorzeige-Promi einen Kopfsprung in die Negativschlagzeilen macht. Gleich reihenweise verlor der US-Golfer Tiger Woods Sponsoren, darunter den Telefonriesen AT&T und die Unternehmensberatung Accenture, nachdem außereheliche Eskapaden bekannt geworden waren. Dem englischen Fußballer Wayne Rooney kündigte Brausehersteller Coca-Cola wegen deftiger Pöbeleien auf dem heiligen Rasen die Freundschaft. Der revanchierte sich flugs mit Fotos, die einen lachenden, Pepsi-trinkenden Rooney zeigten.

Der südkoreanische Autohersteller KIA sonnte sich im sportlichen Ruhm des belgischen Erstligavereins FC Brüssel. Als dessen Clubpräsident den kongolesischen Nationalspieler Matumona Zola angiftete, er solle sich im Spiel weniger auf „Bäume und Bananen“ konzentrieren, war es mit dem Sponsoring schnell wieder vorbei.

Die Kooperation mit Stars und Sternchen – sie bleibt für Unternehmen eine stetige Zitterpartie. Unvergessen ist das Lebensmotto des britischen Fußballstars George Best: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“ Wer als Unternehmen und Sponsor zur Finanzierung dieser Star-Hobbys beiträgt, darf sich nicht wundern, wenn die Medien auch darüber berichten.

Wie man es besser macht, zeigt ausgerechnet ein Unternehmer aus der deutschen Provinz: Als Maskottchen und Werbestar hat fast allabendlich vor der Tagesschau ein unscheinbarer Affe seinen Fernsehauftritt im Namen des Burladinger Textilhersteller Trigema. Mit einem ansonsten skandalfreien Privatleben verschafft der Schimpase seinem Auftraggeber bleibenden Werbewert. Von zweifelhaften Fernsehduellen oder gar politischen Meinungsäußerungen hält sich der Affe wohlweislich fern. Und beweist damit, dass ein Primat mitunter deutlich klüger ist als so mancher Vertreter der Spezies homo sapiens sapiens.

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