Prokon – (Alp)Traumanlage für eine bessere Welt?

Eine sichere Geldanlage, die überdurchschnittlich verzinst wird – noch dazu von einem Unternehmen, das sich den Umweltschutz, die Energiewende und die Schaffung von Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Region auf die Agenda geschrieben hat. Dazu niedrige Vorstandsgehälter und Dacia als Dienstwagen. Das Ganze auch noch finanziert von vielen tausend Anlegern anstatt von jenen Bankern, die seit der Finanzkrise einen schlechten Ruf bei vielen Bundesbürgern haben. Zu schön um wahr zu sein?

Vor dieser Frage stehen gerade die Besitzer jener Genussscheine, von denen wahrscheinlich der Fortbestand der Itzehoer Prokon-Unternehmensgruppe abhängt (rund 1300 Mitarbeiter, Betreiber von rund gut 50 Windparks). Das Unternehmen hatte seinen Anlegern eine Verzinsung ihrer Anlagen mit mindestens 6 Prozent per annum garantiert – zuzüglich eines variablen Aufschlages. Im Gegenzug gab es für die Anleger nicht wie sonst üblich Aktien, sondern sogenannte Genussscheine. Das ist eine Anlageform, bei der der Geldgeber keinen Anteil am eigentlichen Unternehmen erwirbt und im Unterschied zum Aktionär weniger Informationsrechte und keine Stimmrechte besitzt. Außerdem werden Genussscheine im Insolvenzfall nachrangig entschädigt, also erst nach anderen Anlegern, Banken, Mitarbeitern und Lieferanten.

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Möglicherweise stehen die Anleger nun vor den klassischen Problem des Bank Runs oder des Gefangenendilemmas. Kündigt ein zu großer Anteil der Anleger seine Genussscheine (Kündigungsfrist Typ A: vier Wochen zum Monatsende nach Ablauf der sechsmonatigen Mindestlaufzeit), wird das Unternehmen wohl zahlungsunfähig. Am Ende stünde dann der weitgehende Verlust der Geldanlagen. Steigt hingegen ein Investor bei Prokon ein, werden die Genussscheine „nachrangig“, da ein Investor im Insolvenzfall vor den Genussscheininhabern entschädigt würde.

Daneben gibt es noch ein weiteres Szenario: Die Genussscheininhaber stocken ihre Anteile auf und werben noch weitere Anleger. So kann die Verzinsung dauerhaft bedient und das Unternehmen durch die Krise geführt werden. Doch potenzielle Anleger sind vorsichtig. Nach langer Wartezeit veröffentlichte Prokon erst im Dezember 2013 Unternehmenskennzahlen für das Geschäftsjahr 2012. Die waren aus Sicht vieler Experten nicht sehe ermutigend. Anleger waren geschockt.

Auch das Verhältnis zu den Medien ist nachhaltig gestört. Unternehmenschef Carsten Rodbertus sieht bei ihnen die eigentliche Schuld für die Abwanderung vieler Anleger. Jegliche Kommunikation mit Journalisten wird abgeblockt. Nicht nur deshalb fiel die Berichterstattung vernichtend aus. Verärgert schrieb Rodbertus: „Die jüngste Medienkampagne, die von alten Bekannten wie der Welt und Finanztest angeführt wird, will wieder einmal weismachen, Prokon würde ein Schneeballsystem betreiben oder gar kurz vor der Insolvenz stehen. Das ist definitiv nicht so!“

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob der Traum von der alternativen und gleichzeitig hoch lukrativen Geldanlage für’s reine Gewissen auch finanziell tragfähig war. Viele Anleger haben zwischen 20.000 und 30.000 Euro aus ihren Ersparnissen in diesen Traum investiert, manche ihre Alterssicherung. Dann wird man auch sehen, ob sich eine Kommunikationsstrategie, die sich im Wesentlichen auf aggressive Verkaufsveranstaltungen und Schweigen gegenüber den Medien beschränkt, für alle Beteiligten auszahlt. Nachhaltige Krisenkommunikation sieht jedenfalls anders aus.

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