Aufruf zur Elefantenjagd – die Schonzeit ist vorbei

Im Englischen gibt es ein schönes Sprachbild für ein Tabu im Geschäftsleben – man spricht dort auch vom „elephant in the room“. Der Elefant steht für ein Problem, das jeder im Raum sehr gut sehen kann, über das aber niemand zu sprechen wagt. Das kann das festgefahrene Projekt sein, das seit Jahren Verlust macht, aber nicht beendet werden darf, weil die Reputation des Geschäftsführers daran hängt. Das kann die drohende Übernahme durch einen Wettbewerber sein, zu der es keine Abwehrstrategie gibt. Das kann aber auch ein Unternehmensskandal aus der Vergangenheit sein, der nie richtig aufgearbeitet wurde.

Der Elefant steht mitten im Raum. Jeder sieht ihn. Er nimmt allen anderen den Platz zum Arbeiten und die Luft zum Atmen. Doch keiner traut sich, auf den Elefanten zu zeigen und zu rufen: „Weg damit“.

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Demonstrieren für Youtube – über eine neue Form der Öffentlichkeit

Ein klassisches Orchester, das vor den Werkstoren des Waffenherstellers Heckler & Koch ein Protest-Konzert mit Händel und Bach gibt, ein Guerilla-Kollektiv, das eine Shell-Veranstaltung mit einer inszenierten Ölfontäne aufmischt oder Paraglider, die mit Protestplakaten über der VW-Konzernzentrale kreisen: Noch nie war Demonstrieren in Deutschland bunter, schriller und medienwirksamer. Und noch nie fand Protest so sehr abseits der klassischen Medien statt.

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Foto: Greenpeace/Michael Löwa.

War es noch vor wenigen Jahren das Ziel jeder Demonstration, durch Berichterstattung im TV und anderen Leitmedien Öffentlichkeit und damit Druck auf Politik und Wirtschaft zu erzeugen, ist Protest heute zunehmend viral. Wichtiger als die Protestakteure selbst sind deren professionelle Filmteams, die ihre Aufnahmen oft noch am selben Tag online stellen. Rund neun Millionen Zuschauer verzeichnete ein von Greenpeace gedrehtes Video gegen die globale Erwärmung bei Youtube. Kaum weniger oft wurden Filme über den Whistleblower Edward Snowden, die russische Punkrock-Band „Pussy Riot“ oder gentechnisch verändertes Essen abgerufen. War noch vor einigen Jahren die öffentliche Übergabe einer Unterschriftenliste am Werkstor Ziel und Höhepunkt jeden Protestes, sind heute Shitstorm und Käuferboykott die neuen Druckmittel der Straße.

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+++ Links zum Wochenende +++ KW 51-2013

Hier in Kurzform spannende Geschichten und Links aus der Kommunikation. +++ Ritter Sport und die Stiftung Warentest zeigen sich im Vanille-Streit weiterhin nicht von ihrer Schokoladenseite +++ Die Brauerei Hacker-Pschorr greift einen Shitstorm von Fans des Fußballclubs TSV 1860 München auf und nutzt ihn als Werbeplattform +++ Rainer Calmund versucht auf seiner Homepage die Wogen nach seinem missglückten Autritt auf der Jubiläumsfeier des Express (Neven DuMont) zu glätten.

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Der Fluch des Öls – wie Shell aus seinen Fehlern nicht lernt

Mit einer ungewöhnlichen Guerilla-Aktion sprengten Umweltaktivisten jetzt eine PR-Aktion des Ölkonzerns Shell. Im Auftrag des Öl-Multis hatte die Agentur Burson-Marsteller zum „Science Slam“ ins hippe Berliner Tempodrom eingeladen. Dort sollten Jungwissenschaftler in zehnminüten Kurzvorträgen ihre Ideen für eine bessere Zukunft vorstellen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung sang ein Rapper mahnend vom schwarzen Blut der Erde – Kritik an Shells Ölbohrungen im Niger-Delta und in der Arktis. Auch die ersten Wissenschaftsbeiträge gingen mit dem Konzern hart ins Gericht und auf Shells Rolle beim Klimawandel ein: Ein Student zeigte Bilder von Skifahrern in einer Wüste.

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+++ Links zum Wochenende +++ KW 50-2013

Hier in Kurzform spannende Geschichten und Links aus der Kommunikation. +++ Bayernprofi Toni Kroos verrät, wie man seine Fans am besten brüskiert und einen Shitstorm auslöst +++ Samsung macht eine schlechte Figur im Kundendienst und lernt damit gerade den Streisand-Effekt kennen +++ Die Reichweitenagentur Testroom verrät uns, dass Facebook für die Jüngeren nicht mehr „cool“ ist.

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