Wie man als Premierminister keine Interviews geben sollte …

Ganz aktuell macht der Mitschnitt eines Interviews des schwedischen Fernsehsenders SVT mit dem isländischen Ministerpräsidenten Sigmundur David Gunnlaugsson Schlagzeilen. In diesem Interview befragt der schwedische TV-Journalist Sven Bergman den Premier zu den Folgen der Finanzkrise in Island, zur Steuerehrlichkeit isländischer Bürger und schließlich auch zu der von Gunnlaugsson und seiner Ehefrau Anna Sigurlaug Palsdottir 2007 erworbenen Offshore-Firma Wintris, deren Existenz im Zuge der Panama-Papers-Enthüllungen bekannt geworden war.

Panama Papers: Wenn Beteiligungen an Offshore-Firmen Regierungschefs einholen

Panama Papers: Wenn Beteiligungen an Offshore-Firmen Regierungschefs einholen (Quelle: ICIJ.org)

Unabhängig von der Frage nach Gunnlaugssons Steuerehrlichkeit ist das Gespräch vor allem ein bemerkenswertes und äußerst lehrreiches Beispiel für ein (seitens des Interviewten) schlecht vorbereitetes und noch schlechter beendetes Interview und lohnt daher die tiefere Analyse.

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Der Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise – oder: warum Pegida vielleicht schon gewonnen hat

Kein Zweifel: Spätestens seitdem erst eine Freie Mitarbeiterin des WDR im niederländischen Radio zu den Ausschreitungen in Köln erklärt hatte, dass es für die Berichterstattung Anweisungen „von oben“ gäbe, um dann wenige Tage später zurück zu rudern und kurz darauf auch der bekannte Ex-ZDF-Journalist Wolfgang Herles Ähnliches zu Protokoll gab, fühlen sich „besorgte Bürger“ von rechts in ihrer Medienkritik an der „Lügenpresse“ und den „Staatsmedien“ bestätigt. Gerade seitens der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung und der kaum weniger xenophoben Rechtsaußenpartei AfD werden diese Vorwürfe mit bisher unbekannter Schärfe erhoben.

In rechten Kreisen bereits als Hoodie zu haben: Der Lügenpressevorwurf.

In rechten Kreisen bereits als Hoodie zu haben: Der Lügenpressevorwurf.

Mag man auch Herles‘ Aussagen als Rache eines geschassten Ressortleiters abtun und die Einlassungen der WDR-Mitarbeiterin als Augenblicksversagen einordnen, so haben beide doch einiges Porzellan zerschlagen, denn ihre Worte fielen auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil Viele glauben wollen, was sie dort zu hören bekamen. Der Vorwurf gegenüber Journalisten, nicht unabhängig oder zu staatsnah zu berichten, ist wohl so alt, wie die freie Berichterstattung selbst. Neu ist aber das Ausmaß, in dem der Zweifel an der Objektivität der Medien bei weiten Teilen der Bevölkerung Gehör findet. Bereits im Sommer 2015 mahnte die ZEIT: „Das Misstrauen gegenüber Medien in Deutschland ist groß – und es wächst.“ Die Zeitung zitierte aus einer Studie von infratest dimap, derzufolge 60 Prozent der Bevölkerung „wenig (53 Prozent) oder gar kein (7 Prozent) Vertrauen in die Medien“ habe. Das sind bisher unerreichte Werte und daher ist es kein Wunder, dass sich zuletzt einige Schwergewichte der Branche zu diesem Thema zu Wort meldeten.

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Die unterschätzte „Zwei“ – über die tödlichste Zahl der Welt

In seinem Beitrag „Warum Pferde am liebsten Mädchen beißen“ geht Thomas Petersen vom Allensbacher Institut für Demoskopie auf sogenannte statistische Scheinkorrelationen ein. Das sind voneinander unabhängige Ereignisse, die bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck erwecken, sie seien miteinander korreliert. Besonders gerne werden aus Scheinkorrelationen falsche Schlüsse gezogen, wenn sich zum Beispiel Zeitreihen aufgrund ganz normaler Zufallsschwankungen optisch leicht ähneln. Ein beliebtes und bekanntes Beispiel hierfür ist die zeitgleiche Zunahme der Storchenpopulation und der Geburtenrate in manchen Teilen Deutschlands, die keineswegs statistisch belegt, dass Klapperstörche Kinder bringen.

Pferde beißen am liebsten kleine Mädchen - oder?  Quelle: Wiki Commons.

Pferde beißen am liebsten kleine Mädchen – oder?                   Quelle: Wiki Commons.

Erschienen ist Petersens Beitrag in der Wirtschafts Woche Online – und dort gehört der Beitrag auch hin, denn kaum irgendwo sonst wird so viel mit Scheinkorrelationen und irreführenden Statistiken geschludert wie in den Medien. Leider besteht wenig Hoffnung, dass allzu viele Journalisten den Beitrag lesen. Und noch weniger Hoffnung besteht, dass sie ihn lesen und beherzigen. Das ist der Grund, warum ich meine Kunden regelmäßig vor der gefährlichen Zahl Zwei warne. Die Zwei ist übrigens die neue Drei. Und die Drei ist deswegen nicht ungefährlich geworden. Doch der Reihe nach:

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Lynchjustiz im Internet – wenn die Ebay-Bewertung zur Überlebensversicherung wird

45 Jahre ist es her, dass Wolfgang Menge mit seiner TV-Dystopie „Das Millionenspiel“ der bundesdeutschen Pantoffelkino-Gemeinde einen wohligen Schauer des Gruselns über den Rücken jagte. Die Handlung der fiktiven Geschichte: Bernhard Lotz, Kandidat in einer Fernsehshow, muss sich eine Woche lang vor Auftragskillern verstecken, die von einem Fernsehsender auf ihn angesetzt sind. Gelingt ihm dies, gewinnt er eine Million. Schafft er es nicht, verliert er sein Leben. Der Kandidat kann zwar zu jeder Zeit aussteigen, muss dann aber mit totaler gesellschaftlicher Ächtung rechnen. Die Zuschauer verfolgen das Spektakel aufmerksam und werden dabei selbst zum Teil der Fernsehshow. Sie entscheiden mit, ob sie dem Verfolgten auf der Flucht helfen, oder ihn an seine Häscher ausliefern.

Dystopie Millionenspiel – für eine Million von der Meute gehetzt

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Den Shitstorm richtig lesen

Anfang Juli veröffentlichte der Komiker Dieter Nuhr einen viel beachteten Griechenland-Witz auf seiner Facebook-Seite („Meine Familie hat demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens!“) und löste damit einen heftigen Shitstorm aus. Schnell wurden zahlreiche Medien und auch der ARD-Moderator Jan Böhmermann auf den Shitstorm aufmerksam. Kommentare Böhmermanns wurden allerdings zeitnah von Nuhrs Agentur wieder gelöscht. Dafür berichteten bald darauf BILD, Süddeutsche, Focus und Stern.de über Nuhrs Wortgefecht mit seinen Kritikern.

Gegen Griechenland-Referendum: Dieter Nuhr in der Kritik (Foto: Facebook).

Gegen Griechenland-Referendum: Dieter Nuhr in der Kritik (Foto: Facebook).

Im Interview mit der dpa äußerte sich nun der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen über diesen Shitstorm und empfiehlt, bei Web-Empörungswellen die Beleidigungen „wegzustreichen“ und stattdessen zu ergründen, „welches gesellschaftliche Thema dahinterstehe“. Pörksen verweist exemplarisch auf die #Aufschrei-Debatte und die wiederholten Shitstorms gegen den TV-Moderator Markus Lanz, die sich nach Pörksens Einschätzung an der Frage „Wie viel Privatfernsehen vertragen die öffentlich-rechtlichen Medien?“ entzündet hätten.

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Wie man sich am besten selbst lächerlich macht …

Vor einigen Wochen hatte ich hier im Blog einen Beitrag über einen Behörden-Pressesprecher verfasst, der durch sein Auftreten bei einem Interview seinem Arbeitgeber einen schlechten Dienst erwiesen hat. Die Aufgabe eines Pressesprechers ist es, auch unpopuläre Entscheidungen der Öffentlichkeit zu vermitteln und dabei Hintergründe zu erklären, damit andere Menschen diese Entscheidung besser einordnen und sich dann ein Urteil dazu bilden können.

Barack Obama im Gespräch: Der richtige Aufzug ist das halbe Interview. Quelle: Wiki Commons.

Muss auch manchmal unbequeme Interviews geben: US-Präsident Barack Obama. Quelle: Wiki Commons.

Das ist nicht immer einfach – insbesondere dann, wenn man diese Entscheidung in einem Satire-Beitrag vermitteln muss, der nur dazu gedacht ist, genau diese Entscheidung durch den Kakao zu ziehen. Meist ist der Beitrag schon in seinen Grundzügen vorformuliert, bevor man als Pressesprecher überhaupt Gelegenheit hat, die ersten Fakten darzulegen. Deshalb entscheiden sich manche Sprecher, bei Interview-Anfragen von Satire-Formaten gar nicht erst vor die Kamera zu treten. Wenn sie es doch tun, überlegen sie sich vorher ganz genau, was sie im Beitrag sagen und wie sie das tun. Jedenfalls sollte es so sein.

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